Fernsehturm Stuttgart

[i_d] Das Briefing:

Dem touristischen Wahrzeichen Nr.1* der Metropolregion Stuttgart soll neue Attraktivität verliehen werden (*laut einer breit angelegten Umfrage der Stuttgarter Zeitung). Es stellt sich schnell heraus, dass "nur" ein neues visuelles Erscheinungsbild keinesfalls weitreichend genug wäre, um die langfristig gesteckten Ziele des Turmbesitzers, des SWR, zu erreichen. Es muss in alle Richtungen gleichzeitig gedacht werden.
Der wichtigste Schritt: Auf 3 Ebenen sowie im Freien wird die Gastronomie am Fernsehturm Stuttgart umfassend saniert und renoviert. Ein erfahrenes Team rund um die ehemaligen Betreiber des legendären "Bravo-Charlie" übernimmt die Restauration sowie den Museumsshop.

[i_d] Der Ansatz:

Ein ganzheitliches Branding für diesen besonderen Ort wird erarbeitet. Ein Markencharakter soll entstehen, dessen Strahlkraft ebenso eindrucksvoll leuchtet, wie nachts der 217m hohe Fernsehturm selbst. Das i_d buero taucht tief ein in die Geschichte des 1956 fertiggestellten »schwäbischen Weltwunders«. Stadtarchive werden erforscht, Zeitzeugen gesucht und Touristenströme befragt.

[i_d] Die Umsetzung:

An allen Knotenpunkten wird simultan gearbeitet. Die gesamten Kommunikationsmedien werden einheitlich und im Wortsinne "ansprechend" umgestaltet. Die etwas in die Jahre gekommene Örtlichkeit soll wieder stolz im Gedächtnis der Stuttgarter Bevölkerung verankert werden. Dazu werden von der Raumgestaltung über die Signaletik bis hin zur "Heritage" alle Bereiche miteinbezogen. Das existente, historische Signet des Jahrhundert-Grafikers Anton Stankowski (der auch das weltbekannte Signet für die Deutsche Bank gestaltete) wurde bereits 1953 für den Süddeutschen Rundfunk als Senderlogo entworfen. Formal nach wie vor genial umgesetzt, besitzt es jedoch als wiedererkennbares Symbol für die zeitgemäßen touristischen Marketingerfordernisse nicht die optimale Prägnanz, hier herrscht ebenfalls Handlungsbedarf.

[i_d] Das Naming:

Das i_d buero entwickelt für dieses Projekt gleich 5 unterschiedliche Namen. Zum einen für die Architektur an sich: Fern-Seh-Turm (da der Turm heutzutage keine Fernsehsignale mehr abstrahlt, betonen wir mit dem Begriff Fern-Sehen seine wortwörtliche Bedeutung – schließlich ist die spektakuläre Aussicht auf der Terrasse bis fast zu den Alpen einer der "USP" für die Besucher.
Weiterhin bekommen alle Gastro- und Veranstaltungsebenen des Turmes eigene Namen. Da es bisher stets zu Verwechslungen gekommen war, wenn man sich im Restaurant am Fernsehturm verabredet hatte (das Sterne-Restaurant im Turmkorb hieß "Top-Air", der Italiener im EG hieß "Primafila"), erfindet das i_d buero ganz pragmatisch die jeweilige verortete Position als eigentliche Bezeichnung. Das Restaurant heißt seitdem »UNTEN«, der Biergarten »DRAUSSEN«, das Panoramacafé »OBEN« und die Theaterebene konsequenterweise »DAZWISCHEN«.
 
Fernsehturm Logo

[i_d] Das Corporate Design:

Ein komplexes Erscheinungsbild wird entwickelt. Zentrale Bestandteile sind die neugestaltete Wortmarke, sowie das im Geiste Stankowskis neugestaltete Signet (das für spezielle Anforderungen nach wie vor im Original eingestzt werden kann). Dazu gesellen sich ein speziell entworfener Illustrations-Kosmos nebst visueller "Stripes"-Codierung und der Einsatz großformatiger Photoaufnahmen des Turmes, deren Entstehung das i_d Team in diversen Shootings dirigiert, sowie die modern-sympathischen Schriften "Gotham" und "Caecilia". Ein Farbspektrum, das hauptsächlich Himmelstöne und Betonfarbigkeiten visualisiert, rundet den Gesamtauftritt eindrucksvoll ab.
Im Außenraum wird die Signaletik neu inszeniert und erstmals alles sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache beschriftet. Was vor dem Hintergrund von bisher bereits 27 Millionen Besuchern aus aller Welt überfällig schien. Auch in den Innenräumen wird das Corporate Design unterhaltsam und facettenreich implementiert. Beispielsweise in der Panorama-Bar "OBEN" werden - in Zusammenarbeit mit Prof. Thilo Rothacker - die Scheiben beschriftet mit Entfernungsangaben zu internationalen Großstädten, Sehenswürdigkeiten oder auch zu regionalen Highlights wie der besten Currywurstbude der Stadt oder dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21.
 
Fernsehturm Website

[i_d] Die Webpräsenz:

Ein elementares Tool für einen solchen Tourismus-Magneten ist die Website. Der Betreiber des Turms, die SWR Media Services, beauftragt das i_d buero mit einem Facelift der bestehenden, hochfrequentierten Site. Zusätzlich wird für die Gastroeinrichtungen eine eigenständige, zeitgemäße und CMS-gesteuerte Homepage kreiert, die je nach Tageszeit ihren farblichen Auftritt anpasst (Tag- und Nachtgastronomie).
 
Fernsehturm Anker

[i_d] Geheime Zutaten:

[i_d] Zwei spektakuläre Nebenschauplätze:

»Das offizielle Buch zum Turm« (von OA Krimmel im i_d buero konzipiert) beschreibt die umfassende Geschichte des Turmes in dem Bildband »Der Erste der Welt« (Belser Verlag), der ein äußerst komplexes Markenbild nach außen zu vermitteln in der Lage ist. Das Buch ist so authentisch geworden, daß es als offizielles Stadtgeschenk des Stuttgarter Oberbürgermeisters eingesetzt wird.

[i_d] nachtrag

"Aus »Oben bleiben« wird »Offen bleiben!«" titelte treffend die dpa. Genau wegen dieser Ähnlichkeit zum Volksrevolutions-Motto gegen S21 hat das i_d buero (über Nacht) das Kampagnenvisual nebst Motto zur Rettung des Stuttgarter Fernsehturms kreiert. Tausende von Facebook-Freunden und Millionen von Lesern verfolgen seitdem "brennend interessiert" das Schicksal des ersten Fernsehturmes der Welt, der wegen Brandschutzbestimmungen seit März 2013 für die Öffentlichkeit gesperrt bleibt.